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Schuttertal, Patengemeinde der Modoscher Heimatortsgemeinschaft aus dem jugoslawischen Banat

 

Gedenkstein auf dem Modoscher Platz im Ortsteil Schuttertal     

An Pfingsten 1974 übernahm die Gemeinde Schuttertal als erste Landgemeinde im Schwarzwald die Patenschaft für eine Donauschwäbische Heimatortsgemeinschaft. Grund und Anlass waren einerseits die Ahnenforschung von Nachkommen ausgewanderter Schuttertäler, andererseits das lokale Interesse an dem Schicksal der einst vor über 200 Jahren nach Ungarn ausgewanderten Bürger.

Die Auswanderung der Schuttertäler in die pannonische Tiefebene, in die Batschka und das Banat fand vor allem in der maria-theresianischen Aussiedlungszeit von 1749-1772 statt. Ziel der habsburgischen Verwaltung war es, in der durch die Türkenkriege entvölkerten ungarischen Tiefebene tüchtige Handwerker- und Bauernfamilien anzusiedeln.

Die Auswanderer zogen meist in größeren Truppen donauabwärts, die meisten von ihnen ab Ulm, auf den als
„Ulmer Schachteln“ bezeichneten flachen Schiffen.

Die nachweisbare Auswanderung von 24 Familien mit insgesamt 85 Einzelpersonen aus der Gemeinde Schuttertal nach Ungarn fällt vor allem in die Zeit Maria Theresias.

Viele Schuttertäler Familien haben sich zuerst in der Batschka, in Hodschag, niedergelassen. Hodschag, ehemals eine rein deutsche Großgemeinde, heute im jugoslawischen Teil der Batschka gelegen, besaß eine bedeutende Funktion bei der Ansiedlung der Deutschen im 18. Jahrhundert.

Modosch, eine Vielvölkergemeinde

Im Jahre 1784 zogen die ersten Deutschen in das bis dahin vor allem von Serben bewohnte Modosch. Der Zuzug der Deutschen nahm innerhalb weniger Jahre so zu, dass sich diese bald zu einer eigenen Gemeinde, Deutsch-Modosch zusammenschlossen. Um die Jahrhundertwende hatte Modosch 4.620 Einwohner, davon waren 2.131 Deutsche, 1361 Serben, 700 Ungarn, 346 Bulgaren und der Rest gehörte 4 weiteren Nationalitäten an. Nach dem Zerfall von Österreich-Ungarn am Ende des Ersten Weltkriegs wurde Modosch zuerst von Serben besetzt, jedoch schon im August 1919 Rumänien angeschlossen. Als 1924 zwischen Rumänien und Jugoslawien eine Grenzkorrektur vorgenommen wurde kam Modosch im Tausch gegen Hatzfeld (heute Jimbolia) zu Jugoslawien.
Flucht und Heimatfindung in aller Welt

Im 2. Weltkrieg, nach dem Zusammenbruch der deutschen Ostfront wurde Modosch als erste Gemeinde des Banater Siedlungsgebietes am 30.09.1944 von den sowjetischen Truppen besetzt, dann folgten rumänische Einheiten, dann Titos Partisanen und somit der Beginn der totalen Entrechtung, der „Holocaust“ der Donauschwaben.

Den Plünderungen, Verhaftungen, Vergewaltigungen und Tötungen folgte die Enteignung. Zu Weihnachten 1944 wurden besonders viele junge Frauen und Mädchen, aber auch Männer nach Russland deportiert. Im März 1945 kamen die verbliebenen Deutschen, vom Säugling bis zur Urgroßmutter, in die Konzentrationslager. In den Lagern setzte bald ein Massensterben ein, wobei 486 Modoscher verhungert, erschossen oder ermordet worden sind.

Im September 1945 begannen die Menschen zu flüchten, vorwiegend über Rumänien, durchzogen ganz Ungarn, um schließlich nach Österreich zu gelangen. Auf diesem Weg kamen über 1000 Menschen aus Modosch nach Österreich und Deutschland.

In der Zeit zwischen 1946 und 1949 fanden sich die Überlebenden wieder und begannen überall dort, wo sich ihnen eine Gelegenheit, eine Zukunft bot, eine neue Existenz aufzubauen.

Heute leben viele Modoscher in und um Wien, in Baden-Württemberg, in Bayern und in der Pfalz. Sehr viele sind auch in Los Angeles und Chicago ansässig. Außer in der Bundesrepublik, Österreich und in den Vereinigten Staaten sind auch eine größere Anzahl Modoscher nach Kanada, Argentinien und Australien ausgewandert. Kleinere Gruppen sind in Jugoslawien, Rumänien und Ungarn verblieben oder in die ehemalige DDR, nach Frankreich, Holland und Schweden gezogen.
Patenschaftsübernahme durch die Gemeinde Schuttertal

Kaum hatten die Vertriebenen im westlichen Ausland wieder Fuß gefasst, wurden die ersten Heimatortstreffen organisiert. Das erste Modoscher Heimatortstreffen fand 1972 in Schuttertal statt. 1974 hat dann die Gemeinde Schuttertal, stellvertretend für die einstige Urheimat der Vorfahren aller deutschstämmigen Modoscher, die Patenschaft für die „Heimatortsgemeinde Modosch“ übernommen.

In der Patenschaftsurkunde vom 1. Juni 1974 heißt es:

 „Die Gemeinde Schuttertal bekundet mit der Patenschaftsübernahme ihre Verbundenheit mit den Modoschern. Sie betrachtet die Patenschaft als Verpflichtung ihren ehemals ausgewanderten Landsleuten und deren Nachkommen gegenüber und will die Erinnerung an die kulturell-geistigen und wirtschaftlichen Werte, die in der verlorenen Heimat
geschaffen wurden, gemeinsam mit den Modoschern und ihren Nachkommen für alle Zeit lebendig halten.“

Inzwischen haben in Schuttertal viele Modoscher Heimatortstreffen stattgefunden. Trotz der langen Zeit seit der Vertreibung, der räumlichen Trennung und der stetig abnehmenden Zahl von Modoschern, kommen alle zwei Jahre immer noch viele Modoscher aus aller Welt zum Heimatortstreffen nach Schuttertal. Die gemeinsame Vergangenheit, das gleiche Schicksal, die Erinnerungen und familiären Bindungen an die alte Heimat im Banat bewirken auch heute noch ein bespielhaftes Zusammengehörigkeitsgefühl. Für die in 16 Staaten auf vier Kontinenten verstreut lebenden Modoscher ist Schuttertal eine Art geistige Ersatzheimat geworden.

In Schuttertal gedenken die Modoscher ihrer Toten, die „Modoscher Heimatstube“ im Rathaus, der „Modoscher Park“ mit dem Gedenkstein, die „Modoscher Straße“ und die Patenschaftstafeln am Ortsteingang halten Modosch im Bewusstsein der Menschen gegenwärtig und sind gleichzeitig ein Beweis dafür, dass ein auf Tradition beruhendes Gemeinschaftsleben über Generationen hinweg Bindungen zu leben vermag.

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